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Mit dem Schalk im Nacken - Henning Neuser zu Gast bei "Ticket to Ride" in der Kulturfabrik

Henning Neuser findet in der Kulturfabrik 2011 - Foto: Söhlke

Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 28.05.2011

HILDESHEIM. Ein Mann, zwei Mikros, drei Gitarren, etwas Elektronik und eine gemütliche Bühne: Das ist das perfekte Setting für einen „Ticket To Ride“- Abend mit dem deutschen Singer/ Songwriter Henning Neuser. Mit Songs seiner neuen CD „Labyrinth“ im Gepäck machte er jetzt einen Halt im „Hobo“ der Kulturfabrik.

Sympathisch ist er auf den ersten Blick. Und wie er da auf der Bühne steht mit seinem „Guns’n’Roses“-Shirt, ist gleich zu merken, dass er trotz aller Ernsthaftigkeit, die seine Musik ausstrahlt, auch einen ausgeprägten Schalk im Nacken hat. Besonders dann, wenn er von seinem Lampenfieber und der Nervosität spricht, oder die im Konzept der „Ticket To Ride“-Reihe geforderten mitgebrachten Gegenstände vorstellt. Das ist sehr charmant. Überhaupt hat das Konzert eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre, in der sich Lachen, ergriffenes Zuhören und Mitrocken ausbreiten können.

Nach der „Trennung von seiner Band in Freundschaft“, wie es im Info so schön heißt, machte sich der Kölner Musiker, Produzent und Labelbesitzer an sein Soloprogramm. Dabei verfolgt er ein sehr schönes Konzept: Im Gegensatz zum puristischen Liedermacher-Verständnis setzt er nicht nur auf Stimme und Gitarre, sondern bezieht elektronische Komponenten mit ein. Das reicht vom Einsatz
einer Loopstation, mit der er live mehrere Stimmen oder Spuren einspielen und wiedergeben kann, bis zu kompletten Begleittracks mit ganzer Band, über die er dann Gitarre spielt und singt.

So entstehen wunderschöne und teils fast magische Momente. Wenn zum Beispiel die Musik weiterläuft, Neuser an das zweite Mikro geht und dort Spur für Spur einen vierstimmigen Chor einsingt, der dann weiterklingt, kommt Gänsehaut auf. Überhaupt ist seine Stimme dank ihres einzigartigen Timbres und seiner Art, mit ihr umzugehen, nicht nur unvergleichlich, sondern auch einschmeichelnd.

Dazu kommt sein ausgeprägtes Sprach- und Musikgefühl, das seine Texte zwischen  Beziehungsernst und Lebensspaß springen lässt und ein Händchen für hervorragende Arrangements offenbart. Dem hätte man gerne auch noch länger zuhören können.

Text: Claus Kohlmann, Foto: Söhlke